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Wie ein Raw-Bild unverarbeitet aussieht – und eine Entwicklungssimulation

Sonntag, Januar 17th, 2010

Fotografen sehen ihre Raw-Aufnahmen immer „durch die Brille“ eines Raw-Konverters wie Adobe Camera Raw oder Capture One. Ohne einen Raw-Konverter könnte man die Aufnahmen schließlich auch nicht öffnen und was wir bei der Arbeit mit einem Raw-Konverter sehen, sind bereits „Entwicklungen“ aus der Raw-Datei für die Monitorvorschau, während der Raw-Konverter die Bilddaten zur Bearbeitung im Speicher hält.
Viele Raw-Konverter setzen zum Auslesen der Raw-Dateien auf den Decoder dcraw von Dave Coffin. Er sitzt sozusagen zwischen der Raw-Datei und dem Raw-Konverter und das Decoding-Ergebnis ist das pure, unentwickelte Raw-Bild. Wer sich nun den Umgang mit Kommandozeilen zum Ausführen von Executables (das sind Programme ohne grafische Benutzeroberfläche) zutraut, kann mit einem dcraw-build beispielsweise von Francisco Montilla (für Windows oder Mac) seine Raw-Aufnahmen ohne weitere Einwirkungen eines Raw-Konverters öffnen. Natürlich muss auch dcraw ein normales Bildformat schreiben und für diesen Beitrag habe ich ein 16-Bit-TIFF generieren lassen, das visualisiert, wie eine unentwickelte Raw-Aufnahme aussieht.
Dabei sorgt diese Kommandozeile für die Dateierzeugung eines TIFFs aus einer Raw-Datei mit dem Dateinamen DSC_0026.NEF (eine Aufnahme einer Nikon D300s):


dcraw -v -w -H 1 -o 0 -q 3 -4 -T DSC_0026.NEF


-v meldet im Terminal, welche Datei von welcher Kamera verarbeitet wird
-w verwendet die Weißbalance der Kamera
-H 1 die Tonwerte des Bilds werden unbeschnitten, also im vollen Umfang entwickelt
-o 0 setzt den Farbraum, in diesem Fall keinen
-q 3 setzt die Qualität des Bayer-Demosaicing, Stufe 3 ist die beste für diesen Sensortyp
-4 -T schreibt ein 16-Bit-Bild mit linearem Gamma als Datei

Und so sieht das Meisterwerk nun in einem Bildbearbeitungsprogramm aus:

Im Bildbearbeitungsprogramm kann man nun die Bearbeitungsschritte des Raw-Konverters anhand des TIFFS nachvollziehen:
Das Bild bekommt beim Öffnen einen Arbeitsfarbraum zugewiesen.

Der Tonwertumfang wird eingestellt (auf der rechten Seite des Histogramms steht nun im Raw-Konverter die „Belichtungsreserve“, die kleinen Peaks zeigen das Clipping in den einzelnen Farbkanälen).

Das Bild bekommt eine nicht-lineare Tonwertverteilung (entsprechend dem visuellen Unterscheiden der Helligkeiten) mit einem Gamma von 2,2.

Schließlich gehört auch eine Scharfzeichnung (oben) zu den Grundaufgaben des Raw-Konverters und wir haben diese Bildentwicklung:

Neben diesem Pflichtprogramm erledigt ein Raw-Konverter natürlich noch einige andere Bildbearbeitungsaufgaben wie beispielsweise eine Rauschunterdrückung, eine Vignettierungskorrektur oder das Beschneiden des Bilds auf einen Ausschnitt. Vor allem aber bekommt eine Raw-Entwicklung auch einen Farb-Look, was ich als Farbinterpretation bezeichne.
Über den Umgang mit dcraw hat Guillermo Luijk ein kleines englischsprachiges Tutorial auf seiner Website veröffentlicht, das ich allen empfehlen kann, die sich tiefer mit der Raw-Materie befassen wollen.

Camera Raw 5.5 Vorabversion

Mittwoch, August 19th, 2009

Wer als stolzer Besitzer der

  • Nikon D300s
    Nikon D3000
    Olympus E-P1
    Panasonic DMC-FZ35
  • nicht abwarten mag, bis die fertige Version von Adobe Camera Raw 5.5 erscheint (so etwa von heute ab in vier bis sechs Wochen) oder für das Camera-Raw-Team um Thomas Knoll Feldtester machen will, kann hier für Mac und hier für Windows die Vorab-Version (Release Candidate) von den Adobe Labs herunterladen. Neben der Unterstützung der vier genannten neuen Kameras gibt es als weitere Änderung noch einen korrigierten Demosaicing-Algorithmus für Bayer-Sensoren mit ungleichen (unsymetrischen?) Antwortverhalten der grün gefilterten Sensorelemente. Welche Kameras davon betroffen sind, darüber schweigen sich die ACR-Entwickler bislang aus.

    Richtige Belichtung bei Raw-Aufnahmen

    Montag, Juli 20th, 2009

    Bei DSLR-Fotografen ist das Aufnehmen im Raw-Format zunehmend populär geworden. Schließlich bietet das Raw-Format – neben anderen Vorteilen – einigen Spielraum bei der nachträglichen Belichtungseinstellung. Je nach Kamera können dies bis zu zwei Blendenstufen sein, mindestens eine Blendenstufe Belichtungskorrektur per Software ist aber auf jedem Fall machbar. Doch wie soll man nun in der Kamera belichten? Soll der Schwerpunkt darauf liegen, alle Lichterzeichnung zu erhalten und deshalb besser unterzubelichten? Oder soll man besser daruf achten, dass die Bildtiefen gut durchgezeichnet sind, mit der Gefahr, dass Lichter ausreißen? Die (vielleicht wenig überraschende) Empfehlung ist: Belichtet auf die Lichter. Und bei kritischen Bildtiefen im Motiv: Besser leicht überbelichten.

    Raw-Aufnahmen: Negative Belichtungskorrekturen sind besser.

    Raw-Aufnahmen: Negative Belichtungskorrekturen sind besser.


    Aufgrund der Umverteilung des linearen Helligkeitsverlaufs einer Raw-Datei in eine gammakorrigierte Bilddarstellung, wie sie unserer Sehweise entspricht, ist eine Belichtung auf die Lichter bis hin zu einer leichten Überbelichtung ratsamer als eine Unterbelichtung. In den dunkleren Bildbereichen stehen nämlich nach der obligatorischen Gammakorrektur weniger aufgezeichnete Tonwerte zur Verfügung – die dunkelste Blendenstufe ist mit weit weniger Tonwerten besetzt als die nächsthellere – und diese Tonwerte werden bei einer Unterbelichtungskorrektur im Raw-Konverter gespreizt, was zu Abrissen in dunklen Bildbereichen führen kann. Noch schlimmer: Die Tonwertspreizung verdeutlicht auch erbarmungslos vorhandenes Bildrauschen, das sich vorzugsweise in den Bildtiefen ansammelt. Ein zweites Argument für eine Belichtung auf die Lichter ist, dass im Raw-Konverter Tonwertrekonstruktionen am Lichterende leichter gelingen. Man sollte also den zusätzlichen Tonwertumfang einer Raw-Aufnahme dazu nutzen, in der Belichtungskorrektur per Raw-Konverter die Lichter exakter einzustellen.
    Noch ein Hinweis: Die Belichtung lässt sich am Kamera-Display mit der Histogrammanzeige kontrollieren. Dazu sollte man jedoch wissen, dass die Histogrammanzeige aus der in der Raw-Datei eingebetteten JPEG-Vorschaudatei erzeugt wird. Diese kann je nach Kameramodell eine etwas hellere oder dunklere Tonwertverteilung haben als die Raw-Datei beziehungsweise die Standard-Entwicklung einer Raw-Datei. Solche Abweichungen lassen sich durch mehrere Vergleiche von Standard-Rawentwicklungen und entsprechenden JPEG-Aufnahmen (am besten im Modus Raw + JPEG aufgenommen) feststellen.

    Zum Nachreifen: Adobe Camera Raw 5.4 Release Candidate

    Freitag, Mai 22nd, 2009

    Auf Adobe Labs ist heute der Release Candidate für die nächste Version 5.4 von Camera Raw erschienen. Neue Funktionen sind zwar wie meist üblich nicht enthalten, aber einige Kamerabesitzer werden schon teils länger auf eine Unterstützung ihres Modells durch Camera Raw gewartet haben. Dazu gehören die Canon EOS 500D, Nikon D5000, Olympus E-450 und E-620, Panasonic Lumix DMC-GH1, ganze achtzehn verschiedene Modelle von Haselblad und die eher seltenen Epson R-D1x, Sigma DP2 sowie Kodak Easy Share Z980. Mit ACR 5.4 RC deutet sich auch an, dass demnächst auch die nächste DNG-Spezifikation 1.3 offiziell wird, sie wird bereits vorab vom Release Candidate unterstützt. Adobe hatte bereits die jetzige Version Camera Raw 5.3 als Release Candidate zum Anwender-Qualitätscheck geschickt und gut einen Monat später die finale Version nachgereicht. Man kann also damit rechnen, dass die finale Version 5.4 (und zeitgleich auch die Lightroom-Version 2.4) Anfang Juni erscheint.