Intelligentes Reparieren und Füllen im nächsten Photoshop
Mittwoch, Oktober 21st, 2009Adobe hat ein weiteres Video veröffentlicht, das mögliche neue Funktionen von Photoshop CS5 zeigt. Diesesmal geht es um inhalts- oder umgebungsberücksichtigendes Klonen mit einem weiterentwickelten Reparaturpinsel. Statt wie bisher aus einer einzigen Quelle zu klonen, nimmt der Reparaturpinsel mehrere Samples der Umgebung auf und ersetzt die zu retuschierende Stelle mit den am besten passenden Samples. Diese Technik wurde auf der diesjährigen SIGGRAPH demonstriert, in dessen Vorfeld ich in diesem Blog auf die Patch-Match-Demo hingewiesen habe. Neu in dem jetzt veröffentlichten Video ist, dass auch der Füllen-Befehl mit der umgebungsberücksichtigenden Funktion ausgeführt werden kann. Die inhaltsberücksichtigende Klon-Technik werden wir in Photoshop CS5 also höchstwahrscheinlich beim bereits in CS4 eingeführten inhaltsbewahrenden Skalieren und neu beim Reparaturpinsel und dem Füllen-Befehl sehen. Mehr Informationen zu PatchMatch gibt es auch auf der Site der Adobe Technology Labs.
siehe auch Sneak Preview auf mögliche Photoshop-CS5-Neuerungen und Neues von der Pixelklonforschung
Neues von der Pixelklonforschung
Donnerstag, Juni 11th, 2009Noch gut 50 Tage sind es bis zur SIGGRAPH 2009, der Konferenz für Computergrafik und interaktive Techniken. Diese Konferenz und speziell deren Technical Papers Sessions sind immer gut dazu, einen Eindruck davon zu kriegen, was an neuen Funktionen seinen Weg in Grafikprogramme finden könnte. Beispielsweise lagen alle richtig, die die auf der SIGGRAPH 2007 vorgestellte Seamless-Carving-Technologie als heißen Kandidaten für Photoshop CS4 sahen. Schließlich ist einer der Väter dieser Algorithmen Shai Avidan und der in den Advanced Labs von Adobe beschäftigt. Seamless Carving findet sich inwischen als Content Aware Scaling, auf deutsch „Skalieren (Inhalt bewahren)“, in der aktuellen Photoshop-Version und erlaubt das Stauchen und Dehnen von Bildern unter Erhaltung der Proportionen ausgewählter Bildteile.
Was könnte nun ein Kandidat für Photoshop CS5 sein? Die Technical Papers für die Konferenz sind mittlerweile ausgewählt und darunter finden sich einige aus den Adobe-Laboratorien. Der neue heiße Kandidat ist PatchMatch, eine Technik zur strukturellen Bildbearbeitung, die unter anderen Eli Shechtman und Dan Goldman von Adobe erarbeiteten. Vorstellen kann man sich das in etwa als Kombination von Seamless Carving mit einem intelligenten Kopier- und Reparaturpinsel und dieses Video vermittelt einen besseren Eindruck als tausend Worte.
PatchMatch: Structural Image Editing from Dan Goldman on Vimeo
Ebenfalls eine mögliche neue Funktion im nächsten Photoshop ist das Wiederscharfstellen verwackelter Aufnahmen. Dazu haben Aseem Agarwala von Adobe und zwei Hongkonger Forscher eine vielversprechende Methode entwickelt und auf der SIGGRAP 2008 vorgestellt (zu spät für Photoshop CS4 übrigens). Sollte das funktionieren, was die Beispielbilder zeigen, wird sich die Schnappschussfraktion freuen…
Interessant ist aber auch, womit sich die Forscherhirne von Microsoft Research beschäftigen. Dieses Demovideo zu einem malenden Auswahlwerkzeug vergleicht immer wieder mit bestehenden Photoshop-Werkzeugen und der Microsoft-Auswahlpinsel erinnert mich an eine Kombination aus Photoshops Schnellauswahl und den Extrahieren-Werkzeugen. Auch die Israelis sind traditionell stark in der Entwicklung neuer Bildbearbeitungstechniken. Am technical paper von Zeef Farbman und Kollegen zum nahtlosen Klonen finde ich besonders beeindruckend, dass sich diese Technik leicht und in Echtzeit auf GPUs ausführen lässt; eine Demovideo gibt es hier. Wer weiß, vielleicht erleben wir ja auch mal erste Photoshop-Grafikkarten, auf denen die ganze schwere Computational-Mathematik versammelt ist.
Etwas off topic, weil mehr im Bereich der Digitalfotografie ist dieses technical paper angesiedelt: der dunkle Blitz. Genauer gesagt ist dies ein Prototyp einer Digitalkamera mit Blitz, wobei letzterer seinen Lichtschwall vornehmlich im Infrarot- und Ultraviolettbereich aussendet, und erreicht werden soll das Fotografieren unter schlechtem Umgebungslicht nach dem Motto „Mami, er hat gar nicht gebohrt geblitzt.“


