
ColorChecker Passport
Erst kürzlich habe ich in diesem Blog auf Raw-Kameraprofile hingewiesen und dabei auch den DNG Profile Editor erwähnt. Jetzt gibt es von Xrite eine neue Lösung namens ColorChecker Passport, bestehend aus einem Referenzfarbkarten-Set für die Aufnahme und aus einer Software, die automatisiert für die Erstellung eigener Kameraprofile sorgt. Das Referenzfarbkarten-Set besteht aus einem ColorChecker Classic (entspricht dem ColorChecker Classic oder Mini), einem Optimierungs-Target für das Neutralisieren, Abkühlen oder Wärmen der Weißbalance sowie einem Weißabgleichs-Target mit einer 18%-Graufläche. Alle drei Targets sind praktisch in einem aufklapp- und austellbaren Fächer kombiniert.
Zusätzlich gibt es zur Verwendung mit dem Color Checker Classic eine Software, die bequem das Erzeugen eigener Kameraprofile für Lightroom und Camera Raw/Photoshop erledigt.
(Update 21.09.09) Wie mir Xrite bestätigte, gibt es die Software für Besitzer des ColorChecker Classic oder ColorChecker Mini „free of charge“ hier zum Download. Enthalten sind eine Stand-alone-Version und das Plug-in für Lightroom.
Ich hatte bereits Gelegenheit, sie mit Raw-Aufnahmen eines ColorChecker Mini zu testen, der Ablauf – hier für Lightroom – ist sehr einfach:

Export zur Kamera-Profilerzeugung
Nach Installation des ColorCheckerPassport-Plugins wählt man eine Aufnahme mit dem Target aus und wählt im Bibliothek-Modul von Lightroom „Exportieren“. Im nun erscheinenden Dialog gilt es im Prinzip nur, das Profil zu benennen.

Color Checker Passport erzeugt das Kameraprofil
ColorChecker Passport erkennt nun automatisch die Farbfelder des Targets (es darf wie in dieser Aufnahme dabei ruhig verwinkelt sein), gleicht es mit den Sollwerten ab und erzeugt das eigene Kameraprofil.

Auswählen des eigenen Kameraprofils in Lightroom
Nach einem notwendigen Neustart von Lightroom steht das Kameraprofil nun bereit und kann auf weitere Aufnahmen dieser Lichtsituation angewendet werden.
Eine kleine Hintergrunderklärung: Die Kameraprofile in Lightroom und Camera Raw/Photoshop sind für die Farbinterpretation der Raw-Dateien zuständig, vergleichbar den Bildstilen (Standard, Landschaft, Porträt,…), die in der Kamera für JPEG-Bilder angeboten werden. Was ColorChecker Passport (die Software) macht, ist die möglichst farbgetreue Kalibrierung anhand des Targets. Wenn man mit zwei Aufnahmen für zwei verschiedene Lichtarten (beispielsweise 6500K und 3200K) profiliert, sind die so erzeugten Profile für praktisch alle Lichtverhältnisse geeignet. Man kann das Kameraprofil also für Blitzlicht, Tageslicht, Glühlampe und so einsetzen und für all diese Farbtemperaturen einen Weißabgleich machen. Wer es für eine Lichtart exakter haben will, macht ein Kameraprofil für diese eine Lichtart und braucht dafür nur eine ColorChecker-Aufnahme. Im hier gezeigten Beispiel wird nur für eine Lichtart profiliert – das bezeichnet man auch als szenenbezogene Profilierung.
Fazit: Eine eigene Kameraprofilierung ist nichts Neues, das erledigte schon der kostenlose DNG Profile Editor (dazu habe ich übrigens einen Artikel geschrieben, der in Ausgabe 12/09 der Macwelt erscheinen wird). Neu ist die Automatisierung, die etwas andere Profilierungsroutine und natürlich das praktische, on-location-geeignete Target-Set. Nach meinen ersten Tests sind die ColorCheckerPassport-Kameraprofile schon ziemlich genau in der Neutralität der Farbwiedergabe. Das sehr einfache Erzeugen der Profile macht ColorChecker Passport zu einem empfehlenswerten Mittel für Raw-Fotografen, die mit Lightroom und Camera Raw arbeiten und einen szenenbezogenen Farbabgleich schätzen.
(Update 27.10.09) Nachdem ich neue Testbilder mit der Panasonic DMC GF-1 aufgenommen habe, ist mir eine „Unverträglichkeit“ von Color Checker Passport aufgefallen. Das Programm benötigt DNG-Dateien zur Kameraprofilerstellung. Als Plug-in für Lightroom erzeugt es dieses Dateiformat temporär, die Stand-alone-Version benötigt direkt DNG-Dateien. Jedoch versteht Color Checker Passport bei bestimmten Kameramodellen wie der DMC GF-1 nicht die aktuellste DNG-Version (Camera Raw 5.4 und höher), man muss eine ältere DNG-Version (Camera Raw 4.6 und höher) verwenden. Wenn also die Kameraprofilierung direkt aus Lightroom nicht klappt (bei mir kam auch nur der Hinweis, dass das Target nicht erkannt wurde), hilft nur das Erzeugen einer DNG-Datei älterer Spezifikation von Hand. Lästig.
(Update 25.2.10) Mittlerweile ist ein Update auf Version 1.0.1 erschienen, mit dem jetzt alle Kameras unterstützt werden, die auch in Adobe Camera Raw 5.4 (und neuer) unterstützt werden. Dies beinhaltet unter anderem die FujiFilm FinePix-Reihe, Leica D-Lux 4, die Panasonic DMC-Reihe, Nikon D1X, Olympus C5060WZ und andere.
(Update 01.6.10) Zum Verwalten eigener DNG-Kameraprofile gibt es seit heute den DNG Profile Manager.