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Heute ist offizielles Jubiläum: Photoshop wird 20 Jahre. Und ich darf mich zu den Anwendern zählen, die Photoshop am längsten nutzen. Photoshop lief mit damals in Form von zwei 720-KB-Disketten mit der Aufschrift Photoshop 0.98 b1 über den Weg, die ich für meine Diplomarbeit von der Firma Linotype erhalten hatte. Damals entwickelte Linotype zusammen mit Adobe eine neue Rasterungstechnik für Postscript (und über die richtigen Rasterwinkel und Rasterweiten ging es in meiner Diplomarbeit). Adobe schickte Linotype neben dem ganzen Raster- und Postscript-Zeug, an dem wir arbeiteten, Photoshop zu, in Versionen, die fast schon dem ersten Release entsprachen, und von da aus landete Photoshop bei uns. Wir sollten uns das mal anschauen, vielleicht ist es ja nützlich. Ein offizielles Beta-Testing gab es, soweit ich weiß, vor Photoshop 1.0 nicht.
Im EDV-Labor stand ein Linotronic-300-Satzbelichter, den mein Mitdiplomand Thomas Tafertshofer und ich mit Belichtungsaufträgen beschickten. Das Rippen und Belichten eines postkartengroßen Bilds dauerte noch ziemlich lange und so schlugen wir uns öfters die Zeit mit Tetris (das waren diese herunterfallenden Klötzchen, die man richtig stapeln musste) um die Ohren. Mit der Ankunft von Photoshop Ende 1989 zog Tetris immer öfters den Kürzeren und ich entdeckte Kopierstempel, schwebende Auswahlen und den Alphakanal für meine ersten Bildretuschen auf einem Apple Macintosh II mit einem sagenhaft großen 19-Zoll-Farbmonitor. Mitverantwortlich dafür, dass ich mich mit Photoshop anfreundete (für die Diplomarbeit war es eher unbedeutend) war auch ein Farbscanner, ein Sharp JX-330, der Anfang 1990 das EDV-Labor meines Studiengangs bereicherte. Während der bereits erwähnten langen Belichtungszeiten konnte ich Fotos und Magazinausschnitte und und Laub und alles mögliche andere einscannen – der Scanner war sozusagen das Tor zu Photoshop. Dass Photoshop sich so deutlich etablieren konnte, wußte damals noch keiner. Und auch nicht, dass sich die Bildbearbeitung am Computer einmal so demokratisieren würde. Neben Photoshop gab es damals auch andere Programme zur Pixelbildbearbeitung, und bei allen stieß man schnell auf Limitationen. Es war Anfang 1990 noch vollkommen offen, welches Bildbearbeitungsprogramm für Desktop-Computer in der Zukunft auch professionellen Ansprüchen genügen würde. Für mich war damals der größte Photoshop-Konkurrent Colorstudio. Das konnte noch vor Photoshop Pfad-Freisteller und einiges mehr. Hinter Colorstudio steckte jedoch nur eine treibende Kraft: Mark Zimmer, der später auch das Programm Painter entwickelte, das viele Funktionen von Colorstudio bekam und heute noch bei der Firma Corel weitergepflegt wird. Thomas Knoll, einer der Väter von Photoshop, bekam nach den ersten Versionen weitere Programmierer zur Seite gestellt (John Knoll war damals bereits bei Industrial Light & Magic, nur sein Bruder Thomas ging auch zu Adobe, das nach dem Lizenz-Vertrieb nun auch die Weiterentwicklung von Photoshop übernahm). Mit Illustrator und Postscript federführend an der DTP-Revolution beteiligt, war Adobe bereits Anfang der 1990er Jahre die größere Marketing-Macht. Und Photoshop für die Firma ein Riesen-Glücksfall und eine Gelddruckmaschine, ein Selbstläufer, der selber von den damals großen Entwicklungssprüngen bei Computerleistung und RAM-Größe profitierte. Jede neue Generation von Photoshop zusammen mit einem neuen Rechner und doppelt soviel Arbeitsspeicher brachte einen Performancesprung. Ich ging nach meinem Studium zu einem Apple-Systemhaus, das damals neue Macs allein deshalb verkaufte, weil Photoshop darauf schneller lief!
Aus Anlass des runden Geburtstags von Photoshop habe ich mal in meinen Beständen nach dem ältesten Datenträger mit einer Photoshop-Version gewühlt, den ich noch habe:
Das ist die Installations-CD von Photoshop 5.5 vom Juli 1999, und da hatte Photoshop bereits riesige Entwicklungen hinter sich. Adobe hat übrigens ein Video gepostet, in dem die Photoshop-Väter John und Thomas Knoll sowie Russell Brown und Photoshops erster Produktmanager Steve Guttman über die Anfangszeiten von Photoshop und darüber, wie Photoshop zu seinem Namen kam, sprechen.



Ja, was würden wir nur ohne Photoshop tun. Es gibt wirklich wenig Firmen die sich so etablieren konnten wie Adobe. Ich bin schon neugierig ob der Erfolg gesteigert werden kann!
lg
Sebastian