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Wie ein Raw-Bild unverarbeitet aussieht – und eine Entwicklungssimulation

Fotografen sehen ihre Raw-Aufnahmen immer „durch die Brille“ eines Raw-Konverters wie Adobe Camera Raw oder Capture One. Ohne einen Raw-Konverter könnte man die Aufnahmen schließlich auch nicht öffnen und was wir bei der Arbeit mit einem Raw-Konverter sehen, sind bereits „Entwicklungen“ aus der Raw-Datei für die Monitorvorschau, während der Raw-Konverter die Bilddaten zur Bearbeitung im Speicher hält.
Viele Raw-Konverter setzen zum Auslesen der Raw-Dateien auf den Decoder dcraw von Dave Coffin. Er sitzt sozusagen zwischen der Raw-Datei und dem Raw-Konverter und das Decoding-Ergebnis ist das pure, unentwickelte Raw-Bild. Wer sich nun den Umgang mit Kommandozeilen zum Ausführen von Executables (das sind Programme ohne grafische Benutzeroberfläche) zutraut, kann mit einem dcraw-build beispielsweise von Francisco Montilla (für Windows oder Mac) seine Raw-Aufnahmen ohne weitere Einwirkungen eines Raw-Konverters öffnen. Natürlich muss auch dcraw ein normales Bildformat schreiben und für diesen Beitrag habe ich ein 16-Bit-TIFF generieren lassen, das visualisiert, wie eine unentwickelte Raw-Aufnahme aussieht.
Dabei sorgt diese Kommandozeile für die Dateierzeugung eines TIFFs aus einer Raw-Datei mit dem Dateinamen DSC_0026.NEF (eine Aufnahme einer Nikon D300s):


dcraw -v -w -H 1 -o 0 -q 3 -4 -T DSC_0026.NEF


-v meldet im Terminal, welche Datei von welcher Kamera verarbeitet wird
-w verwendet die Weißbalance der Kamera
-H 1 die Tonwerte des Bilds werden unbeschnitten, also im vollen Umfang entwickelt
-o 0 setzt den Farbraum, in diesem Fall keinen
-q 3 setzt die Qualität des Bayer-Demosaicing, Stufe 3 ist die beste für diesen Sensortyp
-4 -T schreibt ein 16-Bit-Bild mit linearem Gamma als Datei

Und so sieht das Meisterwerk nun in einem Bildbearbeitungsprogramm aus:

Im Bildbearbeitungsprogramm kann man nun die Bearbeitungsschritte des Raw-Konverters anhand des TIFFS nachvollziehen:
Das Bild bekommt beim Öffnen einen Arbeitsfarbraum zugewiesen.

Der Tonwertumfang wird eingestellt (auf der rechten Seite des Histogramms steht nun im Raw-Konverter die „Belichtungsreserve“, die kleinen Peaks zeigen das Clipping in den einzelnen Farbkanälen).

Das Bild bekommt eine nicht-lineare Tonwertverteilung (entsprechend dem visuellen Unterscheiden der Helligkeiten) mit einem Gamma von 2,2.

Schließlich gehört auch eine Scharfzeichnung (oben) zu den Grundaufgaben des Raw-Konverters und wir haben diese Bildentwicklung:

Neben diesem Pflichtprogramm erledigt ein Raw-Konverter natürlich noch einige andere Bildbearbeitungsaufgaben wie beispielsweise eine Rauschunterdrückung, eine Vignettierungskorrektur oder das Beschneiden des Bilds auf einen Ausschnitt. Vor allem aber bekommt eine Raw-Entwicklung auch einen Farb-Look, was ich als Farbinterpretation bezeichne.
Über den Umgang mit dcraw hat Guillermo Luijk ein kleines englischsprachiges Tutorial auf seiner Website veröffentlicht, das ich allen empfehlen kann, die sich tiefer mit der Raw-Materie befassen wollen.

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