Adobe hat heute Lightroom 3 in finaler Version veröffentlicht. Nach zwei frei downloadbaren Betaversionen und den Neuerungen von Camera Raw 6.1 (das dieselben Entwicklungswerkzeuge wie Lightroom hat) hat das offizielle Lightroom 3 nun keine großen Überraschungen an Bord, auch wenn manche Details noch verbessert wurden. Ich hatte einige Tage Zeit, mit der Golden Master von Lightroom – so bezeichnet man die zur Veröffentlichung anstehende Version – zu arbeiten und möchte hier die aus meiner Sicht Top-Neuerungen vorstellen.
• Demosaicing: Der Prozess des Zusammensetzens eines Farbbilds aus den Raw-Aufnahmedaten ist sichtbar optimiert. Die Grundschärfe der initialen Raw-Entwicklung ist besser geworden, an Lichtquellen und Reflexionen in der Aufnahme treten weniger Störungen auf, feine Muster werden besser gerendert. Neu ist übrigens auch das Erkennen von Hot Pixel (Fehlerpixel des Sensors), die Lightroom 3 mit Umgebungspixeln korrigiert.

Lightroom 3: Neue Rauschreduzierungsmethode
•
Bessere Rauschreduzierung: In der Vorgängerversion war die Rauschunterdrückung eher ein Weichzeichnungsfilter. Die neue Rauschreduzierung insbesondere beim Luminanzrauschen verdient nun ihren Namen. Sie unterdrückt effektiv High-ISO-Rauschen, ohne dass dies merkbar auf Kosten der Detailwiedergabe geht. Available-Light-Fotografen wird´s freuen.

Lightroom 3: Automatische Objektivkorrektur
•
Automatische und manuelle Objektivkorrektur: Die profilbasierte Objektivkorrektur (gibt´s für Objektive von Canon, Nikon, Sony, Sigma und Tamron) berücksichtigt Verzeichnungen bei verschiedenen Brennweiten und entfernt chromatische Aberrationen (dies übrigens bildregionsabhängig) sowie Vignettierungen. Manuell kann man nun auch vertikale und horizontale Kameraverschwenkungen ausgleichen und Perspektiven korrigieren. Wer noch nie eine Objektivkorrektur angewendet hat, wird sich auch bei scheinbar objektivfehlerfreien Bildern oft wundern, welche Verzeichnungen da noch auftreten.

Lightroom 3: Benutzerdefinierte Punktkurve
•
Eigene Gradationskurve: Erfahrenere Bildbearbeiter fanden die Einstellungsmöglichkeiten der Lightroom-Gradationskurve mit den vier Reglern (was Adobe parametrische Kurve nennt) unzureichend – jetzt kann man den Kurvenverlauf selber anhand von Kurvenpunkten gestalten (weshalb die benutzerdefinierte Gradationskurve Punktkurve heißt). Das konnte man schon vorher, aber nur extern, und den Aufwand habe ich mir bislang gespart.
•
Schärfen: Hier gibt es eine neue Methode zur Aufnahmeschärfung, die bei Überschärfung eine eher filmkornartige Struktur zeigt. Die Schärfung arbeitet dabei ganz anders als eine übliche Unscharf-Maskierungs-Schärfung. Bei Bildexporten empfehle ich wie bisher auch eine Ausgabeschärfung durchzuführen, wenn die endgültige Ausgabe-Bildgröße festgelegt ist. Das kann man in Lightrooms Export-Optionen und im Drucken-Modul einstellen oder man wendet die Ausgabeschärfung in Photoshop an.
•
Import-Modul: Das vormalige Import-Dialogfenster ist zu einem ausgewachsenen Import-Modul geworden. Funktional gibt es dabei wenig neues, aber der Importweg und die eingestellten Importoptionen sind klarer ersichtlich und häufig verwendete Importeinstellungen lassen sich als Vorgabe einrichten. Übrigens kann jetzt auch aus verschiedenen Verzeichnissen gleichzeitig importiert werden.

Lightroom 3: Angebundenes Fotografieren
•
Tethered Shooting: Jetzt kann man direkt in einen Lightroom-Ordner fotografieren, wenn man eine DSLR via USB mit dem Rechner verbindet. Das angebundene Fotografieren (um mal den deutschen Ausdruck dafür zu verwenden) funktioniert mit DSLRs von Canon und Nikon – selbst meine alte Canon EOS 350D wird unterstützt. Interessant dabei ist, dass man ein Masterbild in Lightroom einstellen kann und die Folgeaufnahmen mit der Entwicklungseinstellung „Wie vorher“ den eingerichteten Bildlook übernehmen.
•
Benutzerdefiniertes Drucken-Paket: Mit diesem Layoutstil des Drucken-Moduls kann man eigene Bildpositionierungen für ein oder auch mehrere Bilder vornehmen. Die Bilder lassen sich dabei direkt aus dem Filmstreifen in Position ziehen und nach Belieben in der Größe anpassen. Endlich kann ich mir für einen ansprechend gestalteten Fine-Art-Print den Umweg über ein Layoutprogramm sparen.
Neben diesen Punkten gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Neuerungen wie die Veröffentlichungsdienste, bei denen der Flickr-Export den Anfang macht und weitere Veröffentlichungsdienste folgen sollen. Mit den Veröffentlichungsdiensten behält man in Lightroom den Überblick über veröffentlichte Bilder und kann diese bei Bedarf auch aktualisieren. Im Entwickeln-Modul gibt es das neue Effekte-Bedienfeld, in dem sich jetzt die Post-crop-Vignettierung und neu eine Filmkorn-Option finden. Bilder können nun mit Wasserzeichen versehen werden, entweder mit Texteingabe in Lightroom oder als vom Anwender gestaltete PNG-Grafik mit Transparenz. Erwähnenswert finde ich auch den neuen Diashow-Export als H.264-Video, wobei man dies mit Musik unterlegen kann – die Diashow-Länge lässt sich dabei auf die Dauer des Musiktracks einstellen. Und da wir gerade bei Bewegtbildern sind: Videoaufzeichnungen der Digitalkamera können nun in Lightroom importiert und gesichtet werden.
Zum Schluss noch etwas für die Ungeduldigen, denen Lightroom bislang zu langsam war. Bei der Performance hat Lightroom 3 deutlich zugelegt, und zwar sowohl bei Importen, Rendern von Bildminiaturen und Bildvorschauen, dem Regler-Ansprechverhalten und bei den Exporten.